Denkmal Bahnhof abreißen?

In den letzten 10 Jahren, hat sich wohl niemand jemals ernsthaft um den Zustand des Schandflecks Bahnhof gekümmert. Erst jetzt wird klar, welch immenser Sanierungsaufwand zu erwarten ist. Jahrelang konnten die Eigentümer den Bahnhof verkommen lassen, ohne dass die Verwaltung Auflagen zur Sicherung erteilte. Da musste erst der WDR im Fernsehen über den Zustand berichten, damit endlich das Allernötigste getan wurde. Es musste erst die Süddeutsche Zeitung den Hildener Bahnhof bundesweit als Schandfleck brandmarken, damit die Verwaltung einsah und in unserer Diskussionsrunde am 28.04.2005 auch erstmalig öffentlich bekundete, dass es ohne städtische Gelder keine Sanierung gibt. Erst in 2005 wurde ein Konzept erstellt. Erst in 2005 sind auch die großen Ratsparteien bereit, Geld in den Bahnhof zu investieren. Der Imageverlust für Hilden durch den Schandfleck Bahnhof kann auch über eine noch so imageträchtige und teure Beleuchtung in der Mittelstraße oder das beste, teuerste Pflaster auf dem Alten Markt (ohne die Linden!) nicht wieder wett gemacht werden. Wie präsentiert sich Hilden eigentlich den Besuchern? Die Bebauung der Einfallstraßen ist für die Besucher, die mit dem Auto ankommen, wenig attraktiv. Dagegen wären alle Voraussetzungen, Bahnreisenden angemessen zu empfangen, gegeben. In diesem Zusammenhang kann ohne Übertreibung gesagt werden, dass ein restauriertes Stadtportal Bahnhof zu einem positiven Stadtimage Hildens beiträgt. Insofern ist dies als Teil des Stadtmarketings zu betrachten. Nachdem fast alle Entscheider über all die Jahre die Bahnhofssituation ignoriert haben, tun sie jetzt ganz erschrocken, dass der Bahnhof wirklich saniert werden muss. Da wird ganz offen auch der Abriss des Denkmals gehandelt. Die beste Tat, die die – immer noch – Eigentümer dem Bahnhof angedeihen ließen, war der Denkmalschutz. Darüber können sich auch Rat und Verwaltung nicht mit einem Federstrich hinwegsetzen! “Der Bahnhof Hilden ist bedeutend für die Geschichte des Menschen und der Siedlungen. Für seine Erhaltung liegen wissenschaftliche, insbesondere architekturgeschichtliche und ortsgeschichtliche Gründe vor” Zu diesem Ergebnis kommt der Landschaftsverband in seinem Denkmalgutachten aus dem Jahr 1999. Dass sich seitdem an dieser Einschätzung nichts geändert hat zeigt die aktuelle denkmalrechtliche Bewertung vom 05.01.2006, vorgenommen nach einer erneuten Bahnhofsbegehung. Demnach ist eine Aufhebung des Denkmalschutzes auf Grund der städtebaulichen Bedeutung des Bahnhofs ausgeschlossen. Auch die städtebauliche Voruntersuchung zur nördlichen Unterstadt vom August 2004 misst dem Gebäude für die Stadtentwicklung enorme Bedeutung zu. Im Zusammenhang mit den übrigen Denkmälern in der Unterstadt wird von einem “großen Schatz” für Hilden gesprochen. Hilden besitzt nicht viel historische Bausubstanz, also müssen wir die vorhandene schützen und erhalten. Die Qualität einer Stadt bemisst sich immer auch an ihrer Ausgewogenheit von Alt und Neu. Dabei hat die Erhaltung des “Alten” Vorrang, da das Alte auch immer die Geschichte einer Stadt erzählt. Von dem “Alten” ist schon viel zu viel Fehlplanungen zum Opfern gefallen. Vor diesem Hintergrund ist eine öffentliche Nutzung und Förderung des denkmalgeschützten Gebäudes nicht nur gerechtfertigt, sondern auch notwendig. Im Ergebnis steht ein Imagegewinn für Hilden, in der ein kleiner Teil unseres baulichen Erbes für die nachfolgenden Generationen gesichert wird. Es sollten daher alle Anstrengungen unternommen werden, das Gebäude zu retten. Der Bahnhof ist ein geschichtsträchtiger Ort und Zeugnis für die Entwicklung unserer Stadt. Unser Appell geht an die gewählten Bürgervertreter, den Sünden der Vergangenheit nicht weitere weit schlimmere folgen zu lassen.

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