Leserbrief: Alter Markt und Perspektiven

Leserbrief von Sebastian Haumann: Wenn man sich die aktuelle Diskussion um den Alten Markt anschaut, fühlt man sich an Diskussionen um die Stadtentwicklung der 70er Jahre erinnert. Auf der einen Seite die “Wachstumskoalition”, die mit immer neuen Maßnahmen versucht Wirtschaftskraft anzulocken, auf der anderen Seite die “Bewahrer”, die Eingriffe in die Stadtgestalt (und die Stadtkasse) als Zerstörung unwiederbringlicher Ressourcen fürchten. Eine Auseinandersetzung, die – und auch das ist nicht neu – nicht entlang der herkömmlichen politischen Fronten verläuft. Was sich allerdings seit den 70er Jahren geändert hat, und was ich in der Diskussion vermisse – ist zweierlei. Erstens die Tatsache, dass mittlerweile sehr breit akzeptiert wird, dass unsere Städte schrumpfen. Die Herausforderung also in der Gestaltung von schrumpfenden Städten besteht, die sich insofern auf die Gestaltung des Alten Marktes auswirkt, als man sich überlegen muss, ob eine Umgestaltung überhaupt weiteres Wachstum anziehen kann! Zweitens hat sich das Verhältnis von Planern – in einigen Stellungnahmen zum Alten Markt als “Fachleute” verehrt – und Nutzern verändert. Hinter den berühmten “Sachzwängen” verbergen sich Interessen. Wenn der Alte Markt umgestaltet werden soll, setzt das voraus, dass irgendjemand das will. In der Stadtplanung wird zunehmend darauf gesetzt, diese Interessen einzubinden, anstatt, wie es die Stadt Hilden getan hat, sich ein Einzelinteresse zu eigen zu machen. Meiner Meinung nach ist die ganze Debatte um den Alten Markt unzeitgemäß. Weder die Perspektive, noch das Verfahren stimmen. In 30 oder 50 Jahren wird Hilden an Einwohnern und Wirtschaftskraft verloren haben, dann will möglicherweise niemand mehr etwas mit der Unterhaltung des Alten Marktes zu tun haben. Dann beginnt die mühsame Suche nach Engagierten, die sich um die Gestaltung kümmern. Für mich wäre daher die Gestaltung des Alten Marktes ein guter Ansatzpunkt, um frühzeitig auszuprobieren, wie die Aneignung öffentlichen Raumes durch die Nutzer funktionieren könnte – Eine solche Vision vermisse ich bislang.

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