CO-Pipeline : Profit vor Moral

Gestern (26.09.2007 Anm. Red.) hat die WDR-Stadtgesprächs-Redaktion in der Stadthalle Langenfeld eine Podiumsdiskussion zum Thema “CO-Pipeline” durchgeführt. Vorab, ich habe als Arzt auf der Intensivstation Menschen tragisch an Rauchgasvergiftung sterben sehen. Ein Kubikmeter Kohlenmonoxyd verwandelt 250 Kubikmeter Luft in ein tödliches Atemgas. 50-tausend Bürger, Gemeinderäte und Bürgermeister wehren sich inzwischen gegen den Bau der Bayer-Giftgasleitung, die durch 32 Wohngebiete von Dormagen bis Krefeld ziehen soll. Zehntausende Menschen können bei einem Vollbruch den Tod finden. Bei einem 4-mm-Loch sterben die Menschen im Umkreis von 55 m äußerte ein Sachverständiger in der Monitorsendung von vor einigen Wochen. Die Feuerwehr hat sich auch in der Rheinischen Post wiederholt als “nicht gewappnet” erklärt. Die Chefärzte der umliegenden Krankenhäuser sehen im Falle eines größeren Unfalls kein lebensrettendes Hilfspotential durch ausreichend Beatmungsgeräte und Sauerstoffüberdruckkammern. Die Feuerwehr kann sich nicht einmal mit normalen Fahrzeugen in das hochexplosive Gasgemisch begeben. Und dennoch: die derzeitige Landesregierung CDU/FDP lässt Hunderttausende entlang der 70-km-Pipeline potentiell vom Tod bedrohte Bürger im Stich. Profitdenken wird mittels Zwangenteignung durchgesetzt. Der gestern anwesenden Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums, Herr Dr. Baganz, wiederholte mehrfach das Interesse am Wirtschaftstandort NRW und am Erhalt von Arbeitsplätzen. Nicht von Interesse ist also der 100 Millionen Euro hohe Grundstückswertverfall entlang der Giftgasleitung all der Bürger, die ihre Immobilie als Altersrente erhofften. Nicht von Interesse ist auch die Lebensqualität, Gesundheit und das seelische Wohlbefinden der dort lebenden Menschen! Herr Rüttgers lässt alle diese Menschen im Stich. Profit vor Moral ist in unserer Zeit immer mehr die Devise. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, dass in der Bundesrepublik Gifte nur dort weiterverarbeitet werden sollen, wo sie entstehen. Dennoch sanktioniert die Landesregierung eine Giftgasleitung durch 32 Wohngebiete !!! Niemand gesteht ein, dass durch die Errichtung einer weiterverarbeitenden Fabrik direkt dort, wo das hochgiftige CO produziert wird, viel mehr Arbeitsplätze entstehen würden als durch die Errichtung der Giftgasleitung angeblich erhalten bleiben. Dr. med. Reinhard Müller Erkrath

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