BUND PRESSEinfo: BUND und Bürgerinitiativen fordern Stopp des Gas-Frackings

Protest-Aktion gegen ExxonMobil in Düsseldorf / Keine Gasförderung um jeden Preis / Bergrecht grundlegend novellieren Düsseldorf, 03.05.2011 – Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Interessengemeinschaften gegen Umweltschäden durch Fracking (IG “Gegen Gasbohren’) fordern den Stopp aller weiteren Aktivitäten zur Erschließung unkonventioneller Erdgasvorkommen mittels des umstrittenen Fracking-Verfahrens. Am Rande der Vorstellung des Energy Outlook Report 2030 durch ExxonMobil in Düsseldorf protestierten Umweltschützer und Bürgerinitiativen gemeinsam gegen die potenziell umweltgefährdende und intransparente Firmenpolitik des amerikanischen Konzerns. “Obwohl die Landesregierung wegen vieler offener Fragen alle Aufsuchungsgenehmigungen unkonventioneller Erdgasvorkommen erst einmal auf Eis gelegt hat, treibt ExxonMobil seine Planungen voran”, kritisiert Jörn Krüger von der IG “Gegen Gasbohren”. “Das Fracking ist mit großen Risiken für die Umwelt und das Trinkwasser verbunden, ohne dass die Öffentlichkeit in die Genehmigungsverfahren eingebunden wird. Das ist inakzeptabel.” Die Fracking-Gegner forderten ExxonMobil auf, freiwillig alle Maßnahmen zur Aufsuchung unkonventioneller Erdgasvorkommen zu stoppen. “Anstatt Bürgerberuhigungsveranstaltungen zu initiieren, sollte ExxonMobil alle Aktivitäten einstellen, bis der rechtliche Rahmen geklärt und der Vorrang des Gewässerschutzes garantiert sind”, so Krüger. Vor allem in den Kohleflözen Nordrhein-Westfalens werden große Gasvorräte vermutet, die wegen der ungünstigen geologischen Voraussetzungen wahrscheinlich nur mittels des so genannten Hydraulic Fracturing-Verfahrens (“Fracking”) erschlossen werden können. Dabei werden große Mengen Wasser, versetzt mit teils hochgiftigen und wassergefährdenden Chemikalien und weiteren Zusätzen, unter hohem Druck in die gashaltigen Schichten verpresst. Durch die Aufsprengung des Gesteinsverbundes kann das Erdgas dann gefördert werden. Inwieweit die Erdgasförderung mittels Fracking ohne Beeinträchtigung des Grundwassers und weiterer Umweltschäden erfolgen kann, ist völlig ungeklärt. Aus den USA und aus Norddeutschland, wo das Verfahren bereits angewendet wird, sind zahlreiche Störfälle bekannt. “Dabei sieht das deutsche Recht für die Exploration weder eine Öffentlichkeitsbeteiligung noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor,” sagte Dirk Jansen, Geschäftsleiter des BUND NRW. Nach dem Bundesberggesetz sei eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit formeller Öffentlichkeitsbeteiligung erst in der späteren Gewinnungsphase notwendig, dann aber auch erst ab einem täglichen Fördervolumen von 500.000 Kubikmeter Erdgas. “Das ist quasi ein Freibrief für die unkontrollierte Erdgasförderung”, sagt Jansen. “Abhilfe kann nur eine grundlegende Novellierung des anachronistischen und undemokratischen Bergrechts schaffen. Solange diese nicht erfolgt ist, muss das Moratorium zur Erschließung unkonventioneller Erdgasvorkommen gelten.” Der BUND fordert ferner einen bundesweiten dreidimensionalen Raumordnungsplan und entsprechende Umsetzungen in das Landesrecht. Denn schon jetzt seien die Ansprüche an den Untergrund vielfältig. Nutzungskonkurrenzen z.B. zwischen Geothermie, Trinkwassergewinnung, Untertagedeponien, Bergbau und Bergversatz, potenziellen Druckluftspeichern und Gasförderung seien unausweichlich. Vorrang müssten dabei der Schutz der Trinkwasserressourcen und die Nutzung der Potenziale der erneuerbaren Energien genießen. Auch wenn hocheffiziente Gaskraftwerke eine unverzichtbare Brücke zu einer vollständig auf erneuerbaren Energien basierenden Energiewirtschaft darstellten, darf dies nach Auffassung von BUND und Bürgerinitiativen nicht zu einer “Gasförderung um jeden Preis” führen. Solange die wichtige Ressource Erdgas vor allem noch immer durch die Fenster schlecht gedämmter Wohnungen verheizt würde, mache die Erschließung unkonventioneller Erdgasvorkommen auch energiewirtschaftlich keinen Sinn.

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